Auswanderinnen der Familie Nagl
Auswanderinnen der Familie Nagl
Die wesentlichen Gründe für die Auswanderung nach Amerika lagen im Burgenland an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vor allem in der ungünstigen Agrarstruktur sowie in der hohen Bevölkerungszahl. Durch die verbreitete Praxis der Erbteilung entstanden im Südburgenland zahlreiche landwirtschaftliche Klein- und Zwergbetriebe. Diese fortschreitende Zersplitterung des bäuerlichen Besitzes führte zu einer unwirtschaftlichen Aufteilung in viele kleine Parzellen.
Häufig reichte bereits ein mehrjähriger Aufenthalt in Amerika aus, um mit den ersparten Mitteln die heimische Landwirtschaft wirtschaftlich zu stabilisieren. Das mitgebrachte Geld wurde vor allem dafür verwendet, die miterbenden Geschwister auszuzahlen, damit die Höfe ungeteilt bleiben und langfristig lebensfähig sein konnten. Darüber hinaus investierten viele Rückkehrer ihre Ersparnisse in den Ausbau von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie in den Erwerb zusätzlicher Grundstücke.
Ein weiterer Faktor war das starke Bevölkerungswachstum in Neuberg. Nach den Volkszählungen der Jahre 1900, 1910 und 1920 lebten dort jeweils mehr als 1.200 Menschen.
Stefan Nagl wurde am 20. Dezember 1876 in Neuberg Nr. 6 (heute Florianigasse 14) als Sohn des Dorfschmiedes Johann (1844 – 1915) und Theresia Nagl geboren. Am 20. November 1900 heiratete er Anna Mercsanits in der Pfarrkirche Neuberg.
Sie wohnten zunächst bei Annas Eltern in Unterneuberg im Haus Nr. 91 (heute Feldgasse 10), wo Anna sechs von ihren sieben Kindern zur Welt brachte:
- Maria (1901 – 1985)
- Adalbert (1903 – 1904)
- Margarethe (1904 – 1983)
- Elisabeth (1906 – 1983)
- Katharina (1908 – 2001)
- Anna (1912 – 2005)
Um sich ein eigenes Haus in Neuberg bauen zu können, reiste Stefan Nagl das erste Mal am 07. April 1906 von Le Havre, Frankreich, mit dem Schiff „La Champagne“ nach New York. Im Zeitraum von 1909 bis 1912 waren Stefan und Anna zeitweise gemeinsam in Chicago, um Geld für ein eigenes Haus zu sparen. Stefan fuhr am 09. Jänner 1909 mit den zwei Neubergern Johann Radostics und Franz Novoszel am Schiff „Louisiane“ von Le Havre nach New York, wo sie am 29. Jänner 1909 ankamen. Am 03. März 1910 fuhr Anna mit sechs anderen Neubergerinnen mit dem Schiff „La Gascogne“ von Le Havre nach New York. Anna arbeitete als Putzfrau und Stefan in einer Fabrik in Chicago. Während dieser Zeit wohnten die vier kleinen Töchter bei ihrer Großmutter Maria in Neuberg.
Im Jahr 1913 bauten sich Anna und Stefan mit Hilfe der Verwandten und Nachbarn ein eigenes Haus in Unterneuberg (heute Feldgasse 13). Die Wände wurden mit luftgetrockneten Ziegeln gemauert, die gleich in der Nähe des Bauplatzes gebrannt wurden. Das Dach wurde damals bereits mit Ziegeln gedeckt. Stefan jun. (1913 – 2005) kam als siebtes Kind in diesem Haus zur Welt.
Das letzte Mal reiste Stefan Nagl am 04. Oktober 1913 mit dem Schiff „Rochambeau“ von Le Havre, nach New York, wo er am 13. Oktober 1913 ankam. Laut Unterlagen der US-Volkszählung 1920 wohnte Stefan in Chicago und arbeitete als Autowäscher. Er kam 1921 wieder nach Neuberg zurück und baute mit den Ersparnissen eine Scheune.
Annas Eltern Josef und Maria Mercsanits hatten eine Landwirtschaft mit rund 4,7 ha. Gemäß der Neuvermessung im Jahre 1932 besaß Paul Mercsanits, der Bruder von Anna Nagl, rund 1 ha sowie den Hälfte-Anteil an 3,2 ha vom Gesamtbesitz. Paul heiratete am 04. April 1910 Agnes Kulovics und wanderte 1911 nach Amerika aus. 1949 kauften die vier Schwestern Margarethe, Elisabeth, Katharina und Anna die Grundstücke von ihrem Onkel Paul Mercsanits um US-$ 400 für ihre Mutter Anna und ihren Bruder Stefan.

Die fünf Töchter von Anna und Stefan traten in ihre Fußstapfen und reisten in einem Zeitraum von 13 Jahren nach Amerika:
- 1922: Margarethe
- 1923: Elisabeth
- 1926: Maria
- 1928: Katharina
- 1935: Anna
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